St.-Anna-Kirche

Kirche St. Anna mit Fuggerkapelle

Im Annahof 2, 86150 AugsburG
Öffnungszeiten: MO 12:00 bis 17:00 Uhr, DI-SA 10:00-17:00 Uhr, 15:00 bis 16 Uhr (Winteröffnungszeiten) und zu den Gottesdiensten

Die ehemalige Klosterkirche St. Anna mit der Fuggerkapelle und der Fuggerorgel ist heute eine evangelische Pfarrkirche und gleichzeitig Hauptkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden in Augsburg.

Geschichte des Klosters St. Anna in Augsburg

1275 kauften die Karmeliter in  Augsburg “Haus und Hof an geweihter Stätte” und begannen mit der Klostergründung in Augsburg. Die Karmeliter gehörten zu den im 13. Jahrhundert entstandenen Bettelorden, die als Gegenbewegung zu einer immer reicher und mächtiger werdenden Großkirche entstanden. Zu ihren Rechten gehörte es, Messe zu feiern, kanonische Stunden zu halten, Beichte zu hören, heilsame Buße aufzuerlegen, das Wort Gottes zu verkündigen und die verstorbenen Brüder zu begraben.

St-Anna-Kirche in der Ansichtensammlung Augusta Vindelicorum von Simon Grimm, 1704
St-Anna-Kirche in der Ansichtensammlung Augusta Vindelicorum von Simon Grimm, 1704

St. Anna, Martin Luther und die Reformation

Die größte geschichtliche Bedeutung erlangte das Karmelitenkloster  St. Anna als im Oktober 1518 Martin Luther dort nächtigte, als er sich im nahegelegenen Fugger-Stadtpalast am Weinmarkt vor dem Papstlegaten und Kardinal Thomas Cajetan weigerte, seine 95 Thesen zu widerrufen.

Vom 7. bis 20. Oktober 1518 musste Martin dem römischen Kardinal Cajetan zu seinen Thesen Rede und Antwort stehen. Augsburg war damals eine Hochburg der Katholiken, schließlich machte Jakob Fugger mit den katholischen Würdenträgern in Rom und mit dem erzkatholischen Erzherzog und Kaiser Maximlian I. Geldgeschäfte. Während der Verhandlungstage wohnte und übernachtete Luther in einem heute nicht mehr vorhandenen Apartment im Karmelitenkloster. Nachdem er den Widerruf verweigert hatte, musste Martin Luther bei Nacht aus der Reichsstadt Augsburg fliehen. Der Karmeliter und Stadtpflegerssohn Christoph Langenmantel vom Sparren (1488-1538) half, damit der Mönch nicht von kaiserlichen Soldaten verhaftet wurde.

Geschichte der Fuggerkapelle

Eine Gedächtnisstätte und Grablege sollte es sein, als sich die drei maßgeblichen Fuggerbrüder, Ulrich (1441-1510), Georg (1453-1506) und Jakob (1459-1525), in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts entschlossen, einen Architekten mit der Planung und dem Einbau der „schönsten Renaissance-Kapelle nördlich der Alpen“ zu beauftragen.

Ob nun der Augsburger Bildhauer und Architekt Sebastian Loscher (~1482-1541) oder der Augsburger Maler und Entwerfer Hans Burgkmair d. Ä. (1473-1531) oder doch eher der Nürnberger Maler und Mathematiker Albrecht Dürer (1471-1528) die Bauplanung verantwortet, ist für die Betrachter unwichtig, die das glanzvolle Meisterwerk sehen.

Das Werk lobt seine(n) Meister und die Finanziers der Familie Fugger. Auch der ausführende Baumeister kann nicht zweifelsfrei genannt werden. Es ist davon auszugehen, dass 1509 nur Künstler mit Rang und Namen beauftragt wurden, denn Geld spielte bei Jakob Fugger zu dieser Zeit bereits eine ungeordnete Rolle.

St. Anna, Fuggerkapelle, Fuggerorgel und Langhaus
St. Anna, Fuggerkapelle, Fuggerorgel und Langhaus (commons.m.wikimedia.org, cc-by-2.0)

Außen ist die Fuggerkapelle kaum erkennbar. Auf sie weißt aber an der Westseite ein großes, farbenprächtiges Glasfenster mit dem bunten Wappen der „Fugger von der Lilie“ hin. Wenn man allerdings das Langhaus der barockausgestatteten Pfarrkirche Richtung Westen durchgelaufen ist, steht man vor einer Marmorbalustrade und lässt sich von stillen Anmut der Fronleichnamsgruppe (um 1530) des Augsburger Bildhausers Hans Daucher ( ) beeindrucken.

Die wichigste Besonderheit ist aber der in Intarsientechnik verlegte Marmorfußboden und dem das Firmenlogo der Fugger, der Dreizack mit Ring, deutlich erkennbar ist. Suchen Sie ihn – Sie werden ihn finden!

Zusätzlich zu den drei oben erwähnten Brüdern sind die beiden Neffen Raymund (gest. 1535) und Hieronymus Fugger (gest. 1538) hier bestattet. Bitte beachten Sie dazu die Inschriftenplatte aus rötlichem Marmor, die über dem Grufteingang liegt.

Auf dem linken Blatt des Orgelsprospekts hat sich in der linken unteren Ecke Jakob Fugger der Reiche verewigen lassen. Auch hier gilt: Suchen Sie ihn – Sie werden ihn finden!

Die Fuggerkapelle umfasst katholisch geweihten Boden, während der Rest der Kirche lutherisch ist. Somit besichtigen Sie ein konfessionelles Kuriosum, das die Annakirche mit ihrer Fuggerkapelle für Augsburger Bürger genauso interessant macht, wie für Touristen.

Weitere Informationen

Ein kostenfreies „Orgelkonzert  zur Marktzeit“ wird jeden Samstag zwischen 11:30 Uhr 12:00 Uhr geboten. Spenden für die Kirche St. Anna sind willkommen.

Soweit gewünscht und zeitlich möglich können Sie die Annakirche auch währnd der Stadtführung in der oberen Altstadt und in der Fuggerei „Auf den Spuren reicher Kaufleute“ besuchen.

Tiefergehende Informationen über die Fuggerkapelle erhalten Sie auf der Homepage „Historisches Lexikon Bayerns“ oder der Homepage www.fugger.de.